Nikoläuse sind auch nur Menschen
10-12-2011 10:01
Altötting.
Das Bild war so schön wie erwartet, so imposant wie erhofft war es allerdings nicht: Die Premiere der Nikolauswallfahrt im Rahmen des Christkindlmarktes ist für die Veranstalter vom örtlichen Wirtschaftsverband nicht ganz nach Wunsch verlaufen. Gerade einmal fünf Nikoläuse waren es, die am Samstagnachmittag den Weg nach Altötting fanden - zwei weniger, als zum Pressetermin gekommen waren, der im Vorfeld für die Ankündigung anberaumt worden war.
Trotz dieser ernüchternden Resonanz zeigte sich Hans Baumgartner, der für den Markt zuständige Referent des Verbandes, nicht unzufrieden. Immerhin gab es eine gute Erklärung für den geringen Zuspruch: Das Wetter hatte die Veranstalter im Stich gelassen - es regnete. Dass da kaum einer sich und seine Bekleidung der Witterung habe aussetzen wollen, sei normal: „Nikoläuse sind auch nur Menschen“, sagte Baumgartner entschuldigend, als er die Veranstaltung auf der von Besuchern dicht umringten Bühne inmitten des Christkindlmarktes eröffnete. Zudem sei ohnehin nicht davon auszugehen gewesen, dass gleich beim ersten Mal viele kommen.
Das könnte bei der zweiten Auflage, die laut dem Referenten kommendes Jahr auf alle Fälle stattfinden wird, aber schon ganz anders aussehen. Denn jene Nikoläuse, die zusätzlich zu den zwei-en aus Altötting - Rainer Baum- gartner und Hans Joachim Strauß, der offizielle Nikolaus des Christkindlmarktes und sein Vorgänger - von auswärts gekommen waren, zeigten sich von der Veranstaltung angetan. Mario Wallner, der eigens aus Bad Birnbach angereist war, wird sie eigenen Worten nach als „sehr beeindruckend“ in Erinnerung behalten - speziell auch die Andacht in der Gnadenkapelle mit Administrator Prälat Ludwig Limbrunner. Schon lange sei es ihm ein Bedürfnis gewesen, bei einem solchen Treffen dabei zu sein. Da nun eines stattgefunden habe, noch
dazu in Altötting, sei es für ihn ei-ne Selbstverständlichkeit gewesen mitzumachen. Dass er nur einer von fünf Nikoläusen war, störte ihn nicht. Dass es 2012 mehr sein werden, dessen ist er sich sicher: „Das muss sich rumsprechen“, sagt er - und versicherte, dazu einen gehörigen Beitrag leisten zu wollen.
Auch Markus Gruber aus Simbach bei Landau, der Heimat von Prälat Limbrunner, sowie Wolfgang Maier aus Oberfeldkirchen bei Trostberg, der in den vergangenen Tagen 54 Mal als Nikolaus im Einsatz war, haben ihr Kommen alles andere als bereut. Und sie haben - wie ihre Kollegen - ein dickes Lob vom Administrator für ihr würdiges Outfit bekommen: „Sie alle sehen aus wie Respektspersonen. Schön, dass kein weihnachtlicher Hampelmann, kein Clown dabei ist“, sagte Ludwig Limbrunner in Anspielung die Weihnachtsmänner, denen man immer häufiger begegnet, die mit der christlichen Tradition aber nichts zu tun haben.
Dass trotz aller Tradition auch „echte“ Nikoläuse mit der Zeit gehen, das zeigte sich abschließend in der Garderobe, in der sich die Heiligen Männer wieder in ihre zivilen Pendants zurückverwandelten und wo zwischen Koffern und Kleiderbügeln über die Ausstattung gefachsimpelt: „Wo hast du denn deine schöne Mitra her?“, wollte einer wissen. Die Antwort: „Aus dem Internet“. - sh

